2.4 Vertiefende Informationen zu barrierefreien E-Prüfungen
1. Was sind E-Prüfungen?
2. Prüfungsformate
Um den Lernerfolg der Studierenden in E-Prüfung zu ermitteln, gibt es verschiedene Prüfungsformate:
- Closed-Book-Exams: Es sind keine Hilfsmittel als die von Prüfer*innen vorgegebenen erlaubt.
- Cheat-Sheet-Exams: Eigene Klausurhilfen („Spickzettel“) sind zulässig.
- Open-Book-Exams: Lehrbücher und ausgewählte Materialien dürfen verwendet werden.
- Open-Web-Exams: Alle Ressourcen sind erlaubt, unter der Bedingung, dass kein Live-Austausch mit anderen Studierenden stattfindet.
Die Vorteile von Open-Formaten liegen in der Förderung von Kompetenzen, dem authentischen Prüfen und der besseren Ausrichtung am Constructive Alignment. Allerdings erfordert der Einsatz solcher Formate Übung und Vorbereitung. Wichtig ist, dass sowohl fachliches Wissen als auch anwedungsorientiertes Kompetenzwissen vermittelt werden.
Insgesamt ist darauf hinzuweisen, dass die prüfungsrechtlichen Vorgaben der jeweiligen Hochschule zu beachten sind. Diese gilt es insbesondere hinsichtlich zulässiger Hilfsmittel, Aufsichtsregeln und Prüfungsdurchführung zu berücksichtigen.
3. Aufgabenformate in E-Prüfungen
Die Aufgaben in E-Prüfungen können unterschiedliche Formate annehmen. Lehrende haben die Möglichkeit Prüfungen so zu gestalten, dass sie sowohl zum Veranstaltungstyp als auch zum jeweiligen Einsatzzweck passen. Dabei sind folgende Aufgabenformate typisch:
- Offene Formate: Ergebniseingabe (z.B. Zahl oder Wert), Freitextangabe, Scan-Aufgabe.
- Geschlossene Formate: Multiple-Choice-Aufgaben, Single-Choice-Aufgaben, Kprim-Aufgaben (vier Aussagen, von denen jeweils zwei richtig sind), Zuordnungsfragen, Klassifikationsaufgaben, Lückentext-Aufgaben („CLOZE“), Bildannotation/Hotspot/ImageMap.
- Fachspezifische Formate: Formeleingaben (z.B. in Mathematik oder Naturwissenschaften), Programmieraufgaben (Coding-Aufgaben), weitere domänenspezifische Formate (abhängig vom Fachgebiet).
Obwohl das Lernmanagementsystem Moodle ursprünglich nicht primär für die Durchführung von E-Prüfungen entwickelt wurde, bietet die Test-Aktivität eine geeignete Prüfungsfunktion. Diese ermöglicht, auch summative Abschluss- bzw. Leistungsbewertungen durchzuführen. Dabei steht den Lehrenden ein großes Repertoire an unterschiedlichen Fragetypen zur Verfügung:
- Multiple-Choice-Fragen: Studierende wählen eine oder mehrere richtige Antworten aus einer vorgegebenen Liste aus.
- Single-Choice-Fragen: Es ist genau eine Antwort richtig.
- Freitextaufgaben: Studierende geben eine längere Antwort in Textform ein.
- Zuordnungsfragen: Elemente aus zwei Spalten (z. B. Begriffe und Definitionen) müssen korrekt zugeordnet werden.
- Fragen nach Zahlen/Berechnungen: Studierende geben numerische Ergebnisse an, ggf. mit Toleranzbereich.
- Lückentext-Aufgaben (Cloze-Fragen): Im Text sind Lücken vorzufinden, die mit einzelnen Begriffen, Zahlen oder kurzen Phrasen zu füllen sind.
3.1 Geeignete Fragentypen
Die nachfolgenden Aufgabentypen können von allen Studierenden bearbeitet werden und sind (weitgehend) barrierefrei. In diesem Kontext bedeutet weitgehend, dass die Aufgaben für die meisten Menschen mit Beeinträchtigungen zugänglich sind, aber es noch einzelne Einschränkungen gibt, die für bestimmte Gruppen eine Barriere darstellen können. Diese Barrieren können oft durch assistive Technologien oder Anpassungen reduziert werden.
Multiple-Choice-Fragen (weitgehend barrierefrei)
Typische Barrieren:
- Screenreader erkennen nicht immer die Reihenfolge oder Gruppierung von Antwortoptionen korrekt, wenn die HTML-Struktur fehlerhaft ist.
- Bei unzureichendem Kontrast oder fehlender Tastaturnavigation sind Antwortoptionen schwer auswählbar.
Geeignete Maßnahmen und Einstellungen:
- Klare HTML-Struktur (z. B. Radiobuttons mit korrekten <label>-Verknüpfungen).
- Verzicht auf grafische Checkboxen oder Bilder als alleinige Antwortindikatoren.
- Hoher Farbkontrast (mindestens WCAG 2.1 AA).
- Tastaturbedienbarkeit sicherstellen (Tab-Navigation, keine Mausabhängigkeit).
- Antwortoptionen textbasiert formulieren (keine reinen Symbole).
- Bei Bedarf Vorlesefunktion aktivieren oder barrierefreie Plugins integrieren.
Didaktische Umsetzung:
- Klare, kurze Formulierungen sowie keine doppelte Verneinung.
- Vermeidung visueller Kodierungen wie Farben zur Unterscheidung (z. B. „grün = richtig“).
Textbasierte Fragetypen: Kurzantwort und Freitext (weitgehend barrierefrei)
Typische Barrieren:
- Eingabefelder sind für Screenreader teils schwer zugänglich.
- Zeitdruck kann bei motorischen Einschränkungen oder Nutzung alternativer Eingabegeräte problematisch sein.
Geeignete Maßnahmen und Einstellungen:
- Barrierefreie Eingabefelder mit beschreibenden Labels und klarer Fokusmarkierung.
- Erweiterte Bearbeitungszeit oder Zeitaufschub ermöglichen.
- Auto-Save-Funktion aktivieren, um Datenverlust zu vermeiden.
- Kompatibilität mit Spracherkennungssoftware (z. B. Dragon NaturallySpeaking) sicherstellen.
- Zoom- und Schriftgrößenänderung ohne Layoutverschiebung ermöglichen.
Didaktische Umsetzung:
- Klare Aufgabenstellung mit präzisen Anforderungen (z. B. Wortlimit oder Zeichenbegrenzung nennen).
- Nutzung von Freitextfeldern für offene, reflexive oder transferorientierte Aufgaben, die nicht auf reine Reproduktion zielen.
Zuordnungs-Fragetypen für Wörter und Wortgruppen: Zufällige Kurzantwortzuordnung (wie Zuordnung mit Drop-Down-Liste) (weitgehend barrierefrei)
Typische Barrieren:
- Drag-and-Drop-Interaktionen sind für Screenreader- und Tastaturnutzer*innen oft unzugänglich.
- Drop-down-Menüs sind nicht immer korrekt mit Screenreadern bedienbar.
Geeignete Maßnahmen und Einstellungen:
- Bevorzugung Drop-down-basierten statt Drag-and-Drop-basierten Formaten.
- Sicherstellen, dass Zuordnungen auch per Tastatur auswählbar sind.
- Alternative Darstellungsformen anbieten (z. B. nummerierte Listen statt grafische Anordnungen).
- Logische Reihenfolge der Optionen wahren (keine zufällige Anordnung ohne Sinnzusammenhang).
Didaktische Umsetzung:
- Wenige Zuordnungsoptionen pro Aufgabe, um kognitive Überlastung zu vermeiden.
- Verwendung klarer, kontrastreicher Schrift und eindeutiger Begriffe.
Mathematische Fragetypen: Numerisch, Einfach berechnet, Berechnet und Berechnete Multiple-Choice (weitgehend barrierefrei)
Typische Barrieren:
- Formeln oder Symbole sind ohne MathML oder LaTeX-Unterstützung für Screenreader unlesbar.
- Eingabefelder sind mit assistiven Technologien teilweise schwer navigierbar.
Geeignete Maßnahmen und Einstellungen:
- Mathematische Formeln mit MathML oder LaTeX einbinden, nicht als Bilddatei.
- Alternativtext (Alt-Text) für Symbole oder Formeln bereitstellen.
- Einheitliche Eingabeformate angeben (z. B. Dezimaltrennzeichen, Einheiten).
- Möglichkeit der Eingabehilfe (virtuelle Tastatur, Formeleditor).
- Ausreichend Zeitpuffer für Eingabe komplexer Formeln.
Didaktische Umsetzung:
- Aufgaben so gestalten, dass Rechenweg und Verständnis im Vordergrund stehen, nicht bloß das Ergebnis.
- Option, Zwischenschritte sind textlich zu erklären.
- Überprüfung der Aufgaben im Screenreader-Testlauf (z. B. NVDA, JAWS).
3.2 Welche Fragetypen in Moodle sollte ich eher nicht nutzen?
Nicht alle Fragetypen sind für alle Studierenden gleichermaßen zugänglich. Die nachfolgende Tabelle gibt daher einen Überblick über Fragetypen, die vermieden werden sollten.