Masking
Inhalt:
Das „Masking“ bezeichnet eine sowohl bewusst als auch unbewusst genutzte Strategie zur gesellschaftlichen Anpassung. Primär von Autist*innen sowie anderen neurodivergenten Personengruppen angewandt, dient das „Masking“ der Vermeidung von Stigmatisierung und Anfeindung aufgrund (scheinbar) abweichenden Verhaltens (vgl. 335). Neben Anpassungen in Lautstärke, Kleidung sowie der Wahl von Gesprächsthemen, kann auch das Spiegeln von Mimik und Sprachverhalten zum Einsatz kommen (vgl. 333). Zusätzlich werden Selbstregulationsstrategien („stimming“) angepasst oder aufgegeben, um als normal angesehen zu werden (vgl. 334). All jene Strategien setzen meist jahrelanges Beobachten, Erproben und Übernehmen von Verhaltensweisen voraus (vgl. 334) und können langfristig eingesetzt zu weitreichenden Konsequenzen führen. So berichten Betroffene unter anderem von dem Gefühl des Verlusts der eigenen Identität, Anzeichen eines Burnouts sowie erhöhter Suizidalität (vgl. 333f.). „Masking“ geht demnach weit über das, was zu sehen ist, hinaus, schreibt sich tief in die persönliche Erfahrungswelt der Individuen ein und kann umfassende Folgen haben.
Der Comic
Einige Studierende nutzen in ihrem Studierendenalltag bewusste sowie unbewusste Strategien, um sich angepasst zu verhalten und als „normal“ zu gelten – sie „masken“ sich. Die Berichte einer*s Studierenden werden im folgenden Comic aufgenommen, wobei der/ein Erfahrungsbericht als Grundlage dient.
Hi, ich bin Hanna. Ich studiere an der Universität Bielefeld im fünften Semester Politikwissenschaften.
Für mich sind neue Situationen, in denen ich nicht weiß, inwiefern ich performen muss und was von mir verlangt wird, eine große Herausforderung. Im Vorhinein weiß ich nicht, wie ich mich „masken“ muss – also inwiefern es sicherer wäre manche Verhaltensweisen, Symptome oder auch Persönlichkeitsmerkmale zu überdecken – beispielsweise durch das Herumspielen mit Gegenständen, durch das Wippen mit Füßen, Stottern oder Wortfindungsstörungen.
Besonders im Unialltag treffe ich häufig auf solche herausfordernden Situationen – die können ganz unterschiedlich sein. Das kann in der Mensa mit Kommiliton*innen sein …
…, im Gespräch mit meinen Dozierenden …
… und speziell in vielen Seminaren, in denen ich häufig versuche eine neue Rolle einzunehmen – mir eine passende Maske aufzusetzen. So, als hätte ich alles im Griff. Dass man mir meine Unsicherheit, die ich innerlich spüre, nicht anmerkt.
Trotzdem gibt es auch an der Uni Momente, in denen ich die Maske ablegen und so sein kann, wie ich bin. Beispielsweise im „Studienstart Barrierefrei“. Dort darf ich weinen, ich darf wütend sein, was auch immer. Ich darf herumzappeln oder irgendwie anders stimmen – wenn man so möchte.





