Masking
Inhalt: Informationstext „Masking“, Comic Studierende.
Das „Masking“ bezeichnet eine sowohl bewusst als auch unbewusst genutzte Strategie zur gesellschaftlichen Anpassung. Primär von Autist*innen, Personen mit ADHS sowie anderen neurodivergenten Personengruppen angewandt, dient das „Masking“ der Vermeidung von Stigmatisierung und Anfeindung aufgrund (scheinbar) abweichenden Verhaltens. Neben Anpassungen in Lautstärke, Kleidung sowie der Wahl von Gesprächsthemen, kann auch das Spiegeln von Mimik und Sprachverhalten zum Einsatz kommen. Zusätzlich werden Selbstregulationsstrategien („stimming“) angepasst oder temporär unterdrückt, um als neurotypisch angesehen zu werden. All jene Strategien setzen meist jahrelanges Beobachten, Erproben und Übernehmen von Verhaltensweisen voraus und können langfristig eingesetzt zu weitreichenden Konsequenzen führen. So berichten Betroffene unter anderem von dem Gefühl des Verlusts der eigenen Identität, Erschöpfung nach sozialen Interaktionen, Anzeichen eines Burnouts bis hin zu erhöhter Suizidalität. „Masking“ geht demnach weit über das, was zu sehen ist, hinaus, schreibt sich tief in die persönliche Erfahrungswelt der Individuen ein und kann für die Betroffenen zusätzliche psychische Erkrankungen nach sich ziehen.
Der Comic
Als „Panel“ wird die einzelne Bildsequenz eines Comics beschrieben.
Panel 1

Beschreibungstext
Die Protagonistin Hanna blickt den*die Lesende direkt an. Während ihre eine Hand in die Hüfte stemmt, hebt sie die andere seitlich locker in die Höhe. Sie winkt. Hanna trägt ein kurzes weißes T-Shirt mit einer blauen Hose. Um den Hals hängen goldene Ketten und in den Ohren stecken Loops. Sie hat schulterlange schwarze Haare, wobei sie ihren Kopf mit einer blauen Kappe bedeckt. Rechts neben ihrem Kopf befindet sich eine Sprechblase mit den Worten: „Hi! Ich bin Hanna.“
„Hi, ich bin Hanna. Ich bin 21 Jahre alt und studiere an der Universität Bielefeld im dritten Semester Politikwissenschaften. Derzeit wohne ich mit meiner Freundin Lea in einer 2er-WG und das klappt super. Wir kochen fast jeden Abend zusammen und schauen im Anschluss unsere Lieblingsserie „Game of Thrones“ – zugegebenermaßen sind wir ein bisschen spät dran, was den „Hype“ angeht. Neben dem Studium, meinem Job und einem Ehrenamt verbringe ich den liebsten Teil meiner Freizeit im Schwimmbad und ziehe Bahnen. Im Wasser fühle ich mich einfach am wohlsten – das ist schon seit meiner Kindheit so.“
Panel 2

Beschreibungstext
Hannah schaut ratlos und gestresst in ihre braune Tragetasche. Ihr Blick ist gesenkt, die Augen weit geöffnet und die Mundwinkel leicht heruntergezogen. Um ihren Kopf sammeln sich vier Denkblasen mit den Worten „Muss ich unauffällig sein?“, „Muss ich durchgehend konzentriert sein?“, „… redselig?“, „… professionell?“. Links und rechts neben ihrem Körper sind zwei Spiralen platziert. Über ihrem Kopf befinden sich drei umgekehrte schmale Dreiecke.
„Aufgrund meiner ADHS sind unter anderem neue Situationen sehr herausfordernd für mich. Insbesondere solche, in denen ich im Vorfeld nicht weiß, inwiefern ich „performen“ muss und was von mir verlangt wird – also inwiefern es sicherer wäre Verhaltensweisen, Symptome oder auch Persönlichkeitsmerkmale zu überdecken. Das bedeutet enormen Stress und Aufwand.“
Panel 3

Beschreibungstext
Die braune Tragetasche steht geöffnet dar und der*die Betrachtende kann von oben hineinblicken. In ihr befinden sich mehrere Masken, wobei der Fokus auf einer orangefarbenen, einer lilafarbenen und einer blauen Maske liegt. Die orange Maske zeigt ein lachendes „Gesicht“, die lilafarbene ein nachdenkliches „Gesicht“ und die blaue ein konzentriertes, leicht lächelndes „Gesicht“.
„Besonders im Unialltag treffe ich häufig auf Situationen, in denen ich versuche eine Rolle einzunehmen und mich zu „masken“. Einfach, um normal zu wirken und nicht aufzufallen oder anzuecken. Solche Situationen können ganz unterschiedlich sein. Beispielsweise in der Mensa mit Kommiliton*innen, …“
Panel 4

Beschreibungstext
Hanna sitzt zusammen mit zwei anderen Protagonist*innen an einem Hochtisch. Hanna befindet sich in der Mitte. Links von ihr sitzt eine sportlich gekleidete Person in blauem T-Shirt, langer schwarzer Hose und mit kurzen Haaren. Sie ist Hanna zugewandt und hält einen Apfel in der Hand. Rechts im Panel sitzt eine Person in gelbem T-Shirt und kurzer Hose. Vor ihr steht eine Schale mit Salat. Sie führt sich eine Gabel zum Mund. Hanna trägt ein lilafarbenes Top mit V-Ausschnitt und eine graue Hose mit orangen Sportschuhen. In ihrer Hand hält sie eine Wasserflasche. Ihr Gesicht wird von einer orangefarbenen Maske mit lächelndem Ausdruck verdeckt. Hinter Hanna erstreckt sich eine gelbe, sternartige Form. Die Protagonist*innen unterhalten sich.
„…, im Gespräch mit meinen Dozierenden …“
Panel 5
Beschreibungstext
In dem Panel stehen sich zwei Personen gegenüber. Der Protagonist rechts im Panel steht dem*der Betrachtenden mit dem Rücken zugewandt. Sie trägt ein gelbes Oberteil und hat kurze schwarze Haare. Hanna steht auf der linken Seite des Panels. Beide Protagonist*innen sind einander zugewandt. Hanna trägt ein rosafarbenes Langarmshirt und darüber ein lilafarbenes T-Shirt. Hannas Gesicht ist bedeckt von der blauen „Maske“. Ihre Augen sind weit geöffnet, ihre Mundwinkel sind angehoben – sie blickt konzentriert. Neben ihrem Kopf befindet sich eine Sprechblase mit den Worten: „Danke für das Feedback!“.
„… und speziell in vielen Seminaren. Hier versuche ich immer zu vermitteln, ich alles im Griff. Dass man mir meine Unsicherheit, die ich innerlich spüre, nicht anmerkt.“
Panel 6
Beschreibungstext
Hanna sitzt an einem Tisch im Seminarraum. Vor ihr ist der Laptop aufgeklappt und auf dem Boden neben ihr steht ihre braune Tragtasche. Hinter ihr sitzt ein anderer Studierender. Vor diesem auf dem Tisch liegen Bücher und er schreibt mit Stift auf ein Blatt Papier. Sein Blick ist nach vorne gerichtet. Links im Panel deutet sich ein weiterer Arbeitsplatz an. Vor den Studierenden auf der rechten Seite des Panels steht eine Lehrperson. Sie trägt ein graues Langarmshirt, eine blaue weite Hose und Sneaker. Auf dem Kopf trägt sie einen orangefarbenen Hidschāb. Sie steht den Studierenden zugewandt und hat ein Lachen im Gesicht. Im Hintergrund steht ein DTEN-Gerät, auf dem kleine Kacheln mit Gesichtern zu erkennen sind. Dies stellt Studierende dar, die zum Seminar online hinzugeschaltet sind. Hanna hat ihren linken Arm gehoben – sie meldet sich. Auf ihrem Gesicht sitzt eine lilafarbene Maske, der Ausdruck ist nachdenklich. Hinter Hannas Kopf und Oberkörper tut sich ein roter Fleck auf, auf dem eine verworrene dunkelrote Linie platziert ist. Hanna scheint sehr gestresst.
„Trotzdem gibt es auch in der Uni Momente, in denen ich die Maske ablegen und so sein kann, wie ich bin. Beispielsweise im „Studienstart Barrierefrei“, wo ich auf andere Studierende treffe, die ähnliche Sorgen, Erfahrungen oder auch Bedarfe haben, wie ich. Ich darf ich weinen, ich darf wütend sein, was auch immer. Ich darf herumzappeln oder irgendwie anders stimmen – wenn man so möchte.“
Panel 7

Beschreibungstext
Hanna sitzt zusammen mit zwei anderen Studierenden um einen kleinen Couchtisch herum. Während Hanna und ein weiterer Studierender auf einem Sofa sitzen, sitzt die dritte Studierende links im Panel in einem Sitzsack. Diese hat orangefarbene, gelockte Haare, trägt ein weißes Top und eine kurze blaue Hose. Am rechten Arm trägt sie ein Tattoo. Der Studierende links neben Hanna auf der Couch trägt ein gelbes Oberteil und eine lange schwarze Hose. Er hat kurzes schwarzes Haar und sitzt Hanna zugewandt. Hanna wiederum sitzt im Schneidersitz auf der Couch. Sie trägt wieder ihr weißes T-Shirt, eine blaue lange Hose und die Kappe. Hannah hält eine lilafarbene Maske in der Hand – sie hat diese vom Gesicht genommen. Ihr Gesicht ist wieder zu erkennen und ihr Mund ist zu einem Lächeln geformt. Auf dem Boden neben ihr steht ihre braune Tragetasche aus der zwei Masken herausschauen. Alle Drei reden miteinander.
„Ich kann dort einfach so sein, wie ich bin. Ganz ohne Maske – einfach ich selbst.“

