2. Modelle von Behinderung
Inhalt: Pluralität von Verständnissen, Deutungsrahmen, KontextabhängigkeitKontextabhängigkeit.
Da der Behinderungsbegriff eine enorm heterogene Menschengruppe umfasst und sich die verschiedenen Fachgebiete (Rehabilitationswissenschaften, Sonderpädagogik, Heilpädagogik, Medizin, Soziologie, Psychologie etc.) aus unterschiedlichen Sichtweisen mit der Bezeichnung auseinandersetzen, existiert weiterhin keine übergreifende Theoriebildung (Egen & Waldhoff, 2023, 191f.).
Modelle von Behinderung fungieren demnach als Deutungsrahmen, die unterschiedliche Verständnisse von Behinderung systematisieren. Sie beschreiben nicht „Behinderung an sich“, sondern strukturieren, wo Behinderung verortet wird (Individuum, Umwelt, Gesellschaft, Diskurs), wie sie erklärt wird und welche Handlungslogiken daraus folgen (Hirschberg, 2022, S. 94). Modelle sind damit weder wertneutral noch rein beschreibend, sondern stets mit bestimmten politischen, institutionellen und pädagogischen Implikationen verbunden. Sie sind nicht als lineare Weiterentwicklungen zu verstehen, sondern als koexistierende Perspektiven, die je nach Kontext unterschiedlich wirksam werden (Hirschberg, 2022, S. 94).