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5. Minderheitenmodell

Inhalt: Behinderung als soziale Benachteiligung, Ursprung und Entstehung, Parallelen zu anderen marginalisierten GruppenGruppen.

Das Minderheitenmodell interpretiert Behinderung als Form gesellschaftlicher Benachteiligung, vergleichbar mit Erfahrungen anderer diskriminierter Gruppen. Der Fokus liegt nicht auf funktionalen Einschränkungen, sondern auf Ausschlussmechanismen, Stigmatisierung und fehlender Gleichberechtigung (Hirschberg, 2022, S. 99).

Die Wurzeln des Modells liegen in US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen und politischen Emanzipationskämpfen. Seine Entstehung kann als wichtiger Schritt verzeichnet werden, um Behinderung aus der rein fürsorglichen Perspektive zu lösen und als politische Kategorie sichtbar zu machen (Hirschberg, 2022, S. 99).

Auch ohne eine gemeinsame kulturelle Tradition lassen sich behinderte Menschen als soziale Minderheit verstehen. Sie sind, ähnlich wie andere Minderheiten, mit gesellschaftlichen Vorurteilen, Stereotypisierungen sowie Stigmatisierungen konfrontiert, die sich unter anderem in abgesonderten Bildungswegen, erhöhter Arbeitslosigkeit und eingeschränkter gesellschaftlicher Teilhabe zeigen. Hinzu kommen zahlreiche bauliche, verkehrliche und institutionelle Barrieren, die den Zugang zu sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen erschweren.

Sichtbare Beeinträchtigungen erleichtern es der Mehrheitsgesellschaft zudem, sich von dieser Gruppe abzugrenzen und ihr auf Grundlage von Vorurteilen eine untergeordnete Rolle zuzuschreiben. Schließlich werden Menschen mit Behinderung auch deshalb als Minderheit betrachtet, weil ihre körperlichen Merkmale als unveränderbar gelten und nicht als Ergebnis persönlicher Entscheidungen wahrgenommen werden.