Studieren im Autismus-Spektrum, mit Depression und Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)
Inhalt: Studienalltag, Studienorganisation, Bedarfe, Strategien, Handlungsaufforderung.
Das Transkript wurde auf Grundlage von Interviewaufnahmen erstellt. Zur besseren Verständlichkeit wurde der Text sprachlich angepasst und geglättet. Dieser wurde dann von den beteiligten Studierenden geprüft und freigegeben.
Zu Beginn: Was gefällt Dir besonders am Studium an der Universität Bielefeld?
Ich mag, dass die Uni an sich ein sehr wertfreier Raum ist, wo ich mit meinen Einschränkungen nicht unbedingt negativ gesehen werde. Es wird einfach hingenommen, dass es das gibt. Auch dass vieles, wie beispielsweise das alte Hauptgebäude sowie das X-Gebäude, sehr gut geregelt und geordnet ist, gefällt mir. Sowas ist dann sehr hilfreich für meinen Alltag an der Uni. Im Großen und Ganzen gefällt mir aber die Uni als progressiver Raum, in dem man meistens sehr respektvoll miteinander umgeht, am besten.
Magst Du etwas über Deinen Studienalltag als Autist mit Depressionen und PTBS erzählen?
Derzeit bin ich zwei Tage die Woche in Präsenz an der Uni. Dazu muss ich sagen, dass das Arbeiten in Präsenz noch immer ein bisschen anstrengender für mich ist als das Arbeiten von zuhause. Daher versuche ich es immer so einzurichten, dass ich feste Tage habe, an denen ich in der Uni und Zuhause bin. Das lässt sich dann einfacher managen.
Gibt es neben den festen Tagen weitere Beispiele für Dinge, die Dir im Studienalltag helfen?
Eine Sache, die ich am liebsten mache, ist die Planung des „wann“, „was“, „wie“, „wo“ im Voraus. In Bezug auf die Uni bereite ich jede Veranstaltung gut vor – meistens am Wochenende. Für mich ist das Strukturieren sehr wichtig, da ich mich sonst entweder sehr gestresst fühle oder potenziell irgendwann nicht mehr die Energie habe. Mein Energielevel ist nicht immer gleich. Um also jenen Problemen aus dem Weg zu gehen, bereite ich vieles einfach rechtzeitig vor.
Hast Du dann immer feste Tage mit eigens gesetzten Fristen eingeplant?
Ich würde sagen, dass sich immer herauskristallisiert, welche Aufgabe mir am besten passt und gefällt. So kann es sein, dass ich Texte dann eher am Wochenende lese, da ich dann die meiste Zeit hatte. Andere Aufgaben habe ich dann eher unter der Woche abends nach der Uni gemacht, weil ich dort mit einem anderen „Headspace“ herangehen konnte. Von daher entscheide ich sowas dann auch immer entsprechend meiner Verfassung. Ich weiß nicht, ob das unbedingt für andere Leute verständlich ist, aber ich teile die Aufgaben dann entsprechend meiner Ressourcen ein.
Du studierst eine Kombination mehrerer Studienfächer. Merkt man da bezüglich der Strukturierung der jeweiligen Fächer einen Unterschied?
Ja, auf jeden Fall. Das Studienfach Physik ist das mit Abstand strukturierteste Fach. Noch strukturierter geht es glaube ich fast nicht. Man bekommt für jedes Semester einen festen unveränderbaren Plan, wie die einzelnen Wochen aussehen. Man muss es dann auch genauso machen. Mir persönlich gefällt das etwas offenere Modell hingegen ein bisschen besser. Das ist in meinem Fall die Geschichtswissenschaft, wo man zwischen vier oder fünf Seminaren auswählen und sich das selbst zurechtlegen kann. Damit komme ich eigentlich sehr gut klar, weil das einem mehr Möglichkeiten bietet Themen auszusuchen, an denen man interessiert ist, aber man potenziell auch erste Fähigkeiten mitbringt, die man einbringen kann und dem eigenen Verständnis helfen.
Angesichts des Wunsches nach Offenheit beziehungsweise Flexibilität würde mich interessieren, ob Du auch Online-Seminare besuchst?
Zurzeit nicht. Ich habe die immer gerne besucht – auch noch nach Corona. Aber irgendwann gab es dann keine mehr. Bedauerlicherweise waren aber auch nicht alle Fächer so gut aufgestellt für die Online-Lehre, weswegen ich mich gerade zu Beginn sehr alleingelassen gefühlt – insbesondere in der Physik. Zu Coronazeiten bestand die Online-Lehre dort ausschließlich aus wöchentlich bis 14-tägig angebotenen Online-Fragestunden. Den Stoff selbst musste man, nebst ein paar Videos zu Experimenten, komplett eigenständig lernen, womit ich nicht gut umgehen konnte. Die Fakultät hat das meiner Meinung nach sehr schlecht gehandhabt, was unter anderem auch zu meinem Fachwechsel beigetragen hat.
Hast Du die Schwierigkeiten denn äußern können?
Also richtig geäußert habe ich das nicht, weil es mehr oder weniger Standard war. Eine wirkliche Diskussion darüber oder das generelle Anmerken von Kritik war nicht gewünscht. Schlussendlich hat man das Skript für die Vorlesung bekommen und das wars. Man musste dann wöchentlich bearbeitete Aufgaben einreichen und schlussendlich gab es den Klausurtermin. Das war die Vorlesung. Komplett unstrukturiert und somit für mich – und wahrscheinlich viele andere – äußerst fatal.
Hat die Lehrperson vor Aushändigung des Skripts noch Anmerkungen gemacht oder wurde es bei dem Skript belassen?
Es war ausschließlich das Skript. Alle paar Wochen konnte man der Lehrperson Fragen stellen, die diese dann per Zoom beantwortet hat. Hin und wieder gab es dann ein Video zu dem Experiment. Es war also ein sehr, sehr freies Lernen, was schlussendlich gar nicht gut lief. Unter anderem auch, da es nur wenig Organisation drumherum gab – wann sollte man was lernen? Zusätzlich ist das Skript auch nicht unbedingt die beste Art und Weise irgendwas zu lernen, da es einerseits ausschweifend ist, andererseits Informationen nicht unbedingt beinhaltet. Dementsprechend war die Klausur dann auch nicht so gut.
Würdest Du Dir, abgesehen von der schlechten Erfahrung, mehr Online-Lehre wünschen?
Ich glaube nicht. Ich komme mit beidem gut klar. Online-Lehre hat natürlich immer den Vorteil, dass ich primär von zu Hause aus lernen kann. An einem Ort an dem ich mich sicherer fühle. Vor Ort an der Uni ist es für mich inhärent stressiger und unangenehmer als zu Hause. Ich kann aber auch verstehen, wenn Leute die Präsenzlehre besser finden. Obwohl ich dennoch nicht per se auf mehr Online-Lehre bestehen würde, fände ich das Angebot zwischendurch ganz nett. Dann könnte ich vielleicht einfach so nochmal reinschnuppern, wenn ich für eine Veranstaltung nicht unbedingt Lust habe in die Uni zu fahren.
Vorhin hattest Du erwähnt, dass Du an zwei Tagen pro Woche in die Uni kommst. Bedeutet das, dass Du die zwei Tage komplett mit Veranstaltungen vollgepackt hast?
Nein, das nicht. Die Sache ist, dass ich immer auf mein Energielevel achten muss. Dementsprechend wäre es absolut nicht von Vorteil für mich, mir die zwei Tage komplett vollzulegen. Ich habe es so gemacht, dass ich an den Unitagen jeweils sechs Stunden Seminare habe. Das hört sich zwar für einige viel an aber ich persönlich empfinde das als ziemlich „managebar“.
Und dann nutzt Du den Rest der Woche für Deine Arbeit sowie die Aufarbeitung der Seminarinhalte?
Genau. Ich arbeite 19 Stunden und mache dann Hausaufgaben aus der Physik und Informatik. So viel Aufarbeitung ist das dann nicht.
Was sind Hürden oder Behinderungen, die Du in Deinem Studium erfährst?
Vor allem schlechte Organisation. Das ist mit Abstand das größte Problem. Wenn etwas schlecht organisiert oder strukturiert ist, dann finde ich das immer sehr hinderlich. Oder auch wenn nicht deutlich sichtbar ist, wie etwas strukturiert ist. Demnach ist auch mein größter Kritikpunkt, wenn Dozierende nicht offenlegen, was der Seminarplan ist und wann welche Lektüre gelesen werden soll oder diese nicht vorab schon hochgeladen wurden. Also ich habe schon Dozierende gehabt, die das dann teilweise einen Tag vorher hochgeladen haben. Ich brauche aber meine Zeit und habe kurzfristig nicht unbedingt immer die Energie. Dementsprechend fände ich es gut, wenn die ganzen Materialien vorher zur Verfügung gestellt werden würden, damit ich das in meinen Tages- und Wochenablauf gut einplanen kann.
Also kann man zusammenfassen, dass Dir eine gute Lernraumstruktur sowie genügend Zeit zur Aufarbeitung der Seminarinhalte weiterhelfen?!
Auch, aber das geht noch ein bisschen weiter. Nicht nur, dass der Lernraum gut strukturiert sein soll, sondern auch, dass zu Beginn des Semesters Informationen wie die Anforderungen bzgl. Studienleistung und Prüfungsleistung an die Studierenden weitergegeben werden. Das sind einfach Informationen, die ich gerne schon früh hätte. Ich habe auch schon erlebt, dass Dozierende solche Informationen erst in der letzten oder vorletzten Vorlesungswoche bereitstellen und erst dann mitgeteilt haben, was die Prüfungsleistung sein soll. Das ist dann etwas spät, um sich darauf vorzubereiten.
Gibt es denn weitere Hürden oder Behinderungen, die Dir begegnen oder begegnet sind?
Eine recht große Hürde sind vor allen Dingen Vorlesungen mit vielen Leuten. Nicht unbedingt, weil ich Angst vor Menschen habe, sondern vielmehr wegen der Lautstärke. Irgendwie wird immer geredet und irgendwo passiert immer etwas. Mein Gehirn hat Probleme damit, Geräusche zu unterscheiden. Das heißt, wenn in der letzten Ecke getuschelt wird, ist das für mich auf derselben Audiospur wie der Professor, der gerade vorne redet. Dementsprechend muss ich irgendwie trotzdem versuchen die Infos herauszufiltern und das ist sehr anstrengend. Man weiß nicht, was überhaupt vor sich geht. Um dann nicht den Faden zu verlieren oder überhaupt etwas zu verstehen, sitze ich meist eher vorne.
Hast Du im Laufe Deines Studiums Strategien entwickelt, die Dir helfen, die gerade genannten Hürden zu umgehen?
Um das Problem mit den Geräuschen zu umgehen, versuche ich eigentlich immer in Vorlesungen oder Seminaren vorne zu sitzen und außerhalb der Veranstaltungen trage ich dann meist Kopfhörer, um das stressige Überlappen der Geräusche zu umgehen.
Um der Hürde mit der mangelnden Kommunikation über die Art der Leistungserbringungen zu Beginn des Semesters zu begegnen, versuche ich mich an dem Modulhandbuch zu orientieren und nachzulesen, was zu erwarten ist. Das mache ich eh immer vor dem Semester. Ansonsten finde ich es die beste Lösung, einfach immer offen mit den Dozierenden darüber zu reden. Ich erzähle dann von meiner Einschränkung und bitte beispielsweise um mehr Eindeutigkeit in Bezug auf die Kommunikation der Leistungserbringung, da ich es sonst nicht verstehe. Die Lehrenden, bei denen ich das angebracht habe, haben darauf auch eigentlich immer ganz positiv reagiert. Hin und wieder gibt es hingegen auch Lehrende, die das ignorieren oder nicht drauf eingehen. Das ist aber eher selten.
Wie Du gesagt hast, gehst Du bereits offen mit dem Autismus und Deinen damit einhergehenden Bedarfen um: Wie können Lehrende dennoch dazu beitragen, dass Du Dich wohler fühlst, diese offen anzusprechen?
Das ist eine schwierige Sache, da ich eigentlich nicht unbedingt viel von anderen erwarte. Also ich sage meistens etwas, in der Hoffnung auf Unterstützung, aber ich habe damit bereits auch negative Erfahrungen gemacht.
In Bezug auf die Kommunikation mit den Lehrenden oder generell?
Im Grunde gab es eine Situation, in der ich im Seminar offengelegt habe, dass ich Autist bin. Daraufhin wurde von einem Kommilitonen entgegnet, dass Autismus nicht existiere und sich somit auch keine Einschränkungen ergeben. Der*Die Dozierende hat nichts dazu gesagt. Ich komme damit zwar klar, aber es wäre nett gewesen, hätte die Lehrperson Position bezogen.
Hast Du denn sonst das Gefühl, dass die Lehrenden ein Umfeld schaffen, in dem Du Dich wohl genug fühlst zu erzählen, dass Du Autist bist?
Also ich habe neben der Autismus-Spektrum-Störung auch Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen. Wie gesagt, fühle ich mich eigentlich immer wohl darüber zu reden, beziehungsweise das anzusprechen. Daher habe ich aus der zuvor geschilderten Situation eigentlich eher mitgenommen, dass ich noch mehr darüber sprechen und Aufklärungsarbeit leisten muss. Damit Menschen, die keine Berührungspunkte mit den Themen Autismus, Depressionen oder komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen haben, verstehen können, was das eigentlich bedeutet. Ich versuche einfach möglichst eine Ansprechperson zu sein, erwarte von meinem Gegenüber dann aber auch, dass er*sie zuhört und nicht direkt negativ reagiert. Mit jener Ausnahme hat das bis jetzt auch immer ganz gut funktioniert und ich bekomme sehr positive Rückmeldungen.
Magst Du einmal sagen, was Du in solchen Situationen ansprichst?
Also normalerweise spreche ich das bei Personen nur an, wenn es in der Situation notwendig ist. Dann äußere ich aber auch ausschließlich meine konkreten Bedarfe. Letztens hatte ich beispielsweise ein Feedbackgespräch mit einem Dozierenden. Es ging um einen von mir verfassten Bericht. Der Dozierende gab mir Rückmeldung, dass ich noch etwas „Kreatives“ hinzufügen sollte. Unter „Kreatives“ stelle ich mir das Malen eines Bilds oder das Basteln von Origami vor. Dementsprechend habe ich dem Dozenten gesagt, dass ich Autist bin und mir nicht vorstellen kann, was er mit „Kreatives“ meint – das könnte alles Mögliche bedeuten. Ich habe dann darum gebeten, mir das zu definieren. Der Dozent hat mir dann zwei Beispiele genannt, woraufhin ich dann direkt eine Vorstellung dessen hatte, was gewünscht ist.
Eine andere typische Sache ist, dass ich häufiger krank bin. Da wende ich mich in der Regel per Mail an die Dozierenden und schildere meine Situation. Ich bitte für den Zeitraum meiner Abwesenheit dann um das Zusenden von Seminarinhalten. Das funktioniert auch meist sehr gut.
Nun eine etwas grundlegendere Frage: Würdest Du sagen, dass der Autismus, die Depression oder die PTBS die Wahl Deines Studiengangs oder -ortes beeinflusst hat?
Die des Studiengangs teilweise schon – die Wahl des Ortes eher nicht. Ich habe die Uni gewählt, weil sie einigermaßen an einem Ort liegt, der mir bereits bekannt ist. Aber ich habe ja, wie gesagt, mit dem Studienfach Physik angefangen. Da ist mir dann aufgefallen, dass das Leistungsvolumen sehr groß ist – man muss teilweise 50 bis 60 Stunden pro Woche erbringen – und ich das nicht leisten kann. Dementsprechend habe ich mir dann einen Studiengang rausgesucht, bei dem ich die Wochenstunden selbst managen kann. Wo ich selbst sagen kann: Dieses Semester mache ich 40 Wochenstunden und im nächsten 30. Dementsprechend habe ich mich dafür entschieden, eine Geisteswissenschaft als Hauptfach zu studieren.
Das bedeutet, dass Dein Studium nun aus einem strukturierten und einem sehr selbstorganisierten Fach besteht?!
Ja, die Kombination passt gut zusammen. Das Nebenfach bringt mir die feste Struktur, worum ich dann die lockere Struktur des geisteswissenschaftlichen Fachs herumbauen kann.
Nutzt Du Angebote oder Einrichtungen der Uni, die Dich bei Fragen oder Anliegen unterstützen?
Ich habe tatsächlich viel mit der Zentralen Anlaufstelle Barrierefrei (ZAB) zu tun. Da bin ich nun auch seit zwei Jahren stärker angebunden. Ich nehme an dem Peer-Mentoring-Programm teil, bin Mentor, bekomme selbst aber auch Unterstützung im Fall von Unklarheiten oder Problemen. Ansprechpersonen zu haben, ist einfach eine sehr große Stütze.
Zusätzlich war ich auch schon einige Male bei der ZSB, der Zentralen Studienberatung, da die mehr Verständnis für Anliegen oder Probleme rund ums Studium oder auch studiumübergreifend haben.
Das sind die zwei Unidienste, die ich am meisten genutzt habe.
Nutzt Du die ZSB auch als Unterstützung zur Planung Deines Studienverlaufs?
Einmal das. Zusätzlich haben die von der ZSB mich bei meinem Nebenfachwechsel beraten.
Ich möchte Dich bitten, den folgenden Satz zu vervollständigen: „Viele Menschen denken, dass … und denen wollte ich schon immer sagen …“
Ich glaube, da gibt es viele Möglichkeiten für mich, den zu vervollständigen.
Mit das Erste, was mir zu Autismus einfällt, ist: Viele Menschen denken, dass Autist*innen anderen nicht in die Augen gucken können. Und denen wollte ich sagen: Doch, das kann man. Desto weniger gestresst ich bin, desto einfacher fällt es mir. Aber auch wenn ich mich dazu gezwungen fühle, beispielsweise unter Nicht-Autist*innen, kann ich das auch einigermaßen durchziehen. Wenn ich dann aber mit anderen Autist*innen zusammen bin, würde ich das „in die Augen blicken“ nicht fokussieren. Das wäre einfach unnötig.
Eine weitere Sache ist: Viele Menschen denken, dass Autist*innen irgendwie ein bisschen verschroben sind oder so ein gewisses Aussehen haben – also von außen ersichtlich ist, dass man Autist*in ist. Ich persönlich habe sehr viele verschiedene Autist*innen kennengelernt und das ist eine sehr diverse Gruppe. Das sieht man einfach niemandem an, genauso wie man niemandem eine bipolare Depression, posttraumatische Belastungsstörung oder Schizophrenie ansieht. All diese Sachen sind nicht einfach zu erkennen.
Fallen Dir in Bezug auf die posttraumatische Belastungsstörung noch Vorurteile ein, die Dir begegnen?
Eine Sache, die mir häufig begegnet, ist die Befürchtung der Menschen, irgendetwas bei mir triggern zu können. Es ist aber so, dass nicht alle posttraumatischen Belastungsstörungen gleich funktionieren. Nicht alles kann von irgendwem irgendwie getriggert werden. Es ist bei mir einfach ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren, die andere Leute gar nicht richtig sehen können. Nicht einmal ich selbst. Entscheidend ist meist jedoch mein Stresslevel. Dementsprechend würde das gar nichts bringen, gewisse Themen zu meiden. Das kann bei anderen Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung wiederum ganz anders aussehen. Ich würde sagen, dass man hier wiederholt erkennt, dass man einfach sehr offen über die jeweiligen Bedarfe sprechen muss.
Was möchtest Du abschließend Lehrenden gerne mitgeben wollen?
Seid und bleibt möglichst offen. Geht einfach wertfrei an Situationen ran und lasst euch überraschen. Als Lehrende*r muss man nicht die Superformel haben, um alle Probleme lösen zu können. Die meisten Leute wissen selbst sehr gut, was sie brauchen: Seien es drei Wochen mehr für die Hausarbeit oder wie in meinem Fall das Offenlegen des Semesterplans. Ich glaube das Sich-Verlassen darauf, dass die Person selbst einigermaßen weiß, was sie braucht, ist wichtig. Das bevormundet auch niemanden. Daher: Immer Offenheit bewahren und zuhören, was das Problem der Person ist und diese als Lösung braucht.
Gibt es sonst noch etwas, das Du gerne erwähnen möchtest?
Eine Sache, die mir gut gefällt und die nun im Kommen ist, sind Ruheräume. Endlich! Das braucht es einfach viel mehr an Unis. Orte, an denen man sich zurückziehen, ein bisschen runterkommen kann. Gerade wenn ich gestresst bin, habe ich nicht immer Lust oder Energie vor Ort zu sein. Vor allem in den ersten Wochen des Semesters. Dementsprechend ist das unglaublich viel wert, Räume zu haben, in denen man Kraft sammeln kann. Das muss einfach mitgedacht werden.
Vielen Dank!
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