Gebärdensprache
Inhalt: Gebärdensprache, Deutsche Gebärdensprache, Gebärdensprachdolmetscher*innen, Handlungsempfehlungen für Sie als Lehrperson.
Gebärdensprachen sind „visuell-manuelle Sprachen“ (Deutscher Gehörlosen-Bund e. V., 2020), die sich sowohl durch eigene Grammatik als auch eigenen Wortschatz auszeichnen. Mit weltweit etwa 300 verschiedenen Gebärdensprachen gelten sie als vollwertige, eigenständige Sprachen, die sich grundlegend von Laut- und Schriftsprache unterscheiden. Natürlich entstanden folgen sie eigenen sprachlichen Regeln. Durch ein Zusammenspiel von Handzeichen, Körperhaltung, Mimik und Mundbild entsteht ein unabhängiges Sprachsystem, das weit mehr ist als bloßer visueller Ersatz der Lautsprache.
Da die einzelnen Gebärdensprachen unterschiedliche Grammatik und Wortschätze aufweisen, werden für internationale Begegnungen oft „International Signs“ genutzt – eine vereinfachte und nicht standardisierte Form der Kommunikation, die sich aus verschiedenen Gebärden, Wiederholungen und Umschreibungen zusammensetzt.
Deutsche Gebärdensprache
Während jedes Land seine eigene Gebärdensprache hat, gebärden in Deutschland mindestens 200.000 Menschen die Deutsche Gebärdensprache (DGS) (Schweiger, 2022). Seit 2002 im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) fest verankert und somit als vollwertig eigenständige Sprache anerkannt, ist die DGS für die Mehrheit der Menschen, die gehörlos sind oder eine Hörbeeinträchtigung haben, die Muttersprache.
Auch die DGS setzt sich aus Handformen, Körper- und Kopfhaltung, Mundbild sowie Mimik zusammen, wobei nicht nur die Zeichen der Hände, sondern auch die Gebärden-Positionierungen vor dem Körper von Bedeutung sind. Die Sprachstruktur der DGS folgt eigenen grammatischen Regeln: Beispielsweise existieren Artikel nicht und Satzstrukturen folgen in ihrem Aufbau Subjekt – Objekt – Prädikat.
Wussten Sie, dass es auch bei Gebärdensprachler*innen Links- und Rechtshänder*innen gibt?! Während bei einigen Gebärden beide Hände gleichzeitig genutzt werden, wird üblicherweise die dominante Hand genutzt.
Ähnlich wie in der Lautsprache gibt es auch in der Gebärdensprache regionale Sozio- und Dialekte, die sich in Deutschland auf die späte offizielle Anerkennung der DGS sowie den lange Zeit fehlenden überregionalen Austausch zurückführen lassen. Gleichzeitig entstehen fortlaufend neue Gebärden, die sich an gesellschaftliche und technologische Veränderungen anpassen.
Das Fingeralphabet
Wie der Name vermuten lässt, ist das Fingeralphabet ein mit den Fingern geformtes Alphabet, welches zur Kommunikation von Eigennamen, Fremdwörtern oder unbekannten Begriffen aus der Lautsprache verwendet wird. Da sich das Schriftbild an der landestypischen Lautsprache orientiert, ist das Fingeralphabet kein international einheitliches.
Gebärdensprachdolmetscher*innen
Gebärdensprachdolmetscher*innen ermöglichen die barrierefreie Kommunikation zwischen gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Menschen, indem sie gesprochene Sprache in Gebärdensprache übertragen und umgekehrt.
Sie kommen in vielen unterschiedlichen Lebensbereichen zum Einsatz, etwa in Bildung und Hochschule, bei Behördenterminen, im Gesundheitswesen, bei kulturellen Veranstaltungen oder im Arbeitskontext (Deutscher Gehörlosen-Bund e. V., o. D.). Gebärdensprachdolmetscher*innen übertragen Inhalte in der Regel simultan, das heißt nahezu zeitgleich zum gesprochenen Wort, und arbeiten dabei ohne technische Simultananlagen, da die Kommunikation visuell erfolgt. Je nach Situation dolmetschen sie bidirektional, also sowohl von der Lautsprache in die Gebärdensprache als auch von der Gebärdensprache in die Lautsprache (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer, o. D.).
Handlungsempfehlungen für Sie als Lehrperson
Für Sie als Lehrende*r gilt zuallererst das Signalisieren einer offenen Haltung sowie die transparente Kommunikation hinsichtlich der Abfrage von Bedarfen. Diese sollten Sie möglichst frühzeitig auf eine sensible Weise abfragen – schauen Sie hierzu in den Bereichen Lehrgestaltung, Sprechstunde barrierefrei gestalten sowie Wertschätzendes Miteinander vorbei.
Die Organisation von Gebärdensprachdolmetschenden sollte über eine zentrale Stelle (z. B. Beauftragte*r für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung) erfolgen. Außerdem ist es für Sie als Lehrperson hilfreich, über die Arbeit der Dolmetschenden informiert zu sein. Sollten Gebärdensprachdolmetscher*innen in Ihren Lehrveranstaltungen Inhalte übertragen, ist es Ihrerseits wichtig folgende Aspekte zu beachten:
- Passen Sie Ihr Sprachtempo an und drosseln es ggf.
- Strukturieren Sie den Veranstaltungsablauf klar.
- Planen Sie ausreichende Pausen ein.
- Halten Sie Blickkontakt.
- Der*Die Dolmetschende muss in Ihrer Nähe stehen/sitzen. Gewährleisten Sie eine gute Sichtbarkeit der*des Dolmetschenden sowie Ihrer selbst.
Hinzu kommt, dass die Räumlichkeiten ausreichend beleuchtet sein müssen und bei digitalen oder hybriden Veranstaltungen entsprechende technische Rahmenbedingungen gegeben sind. Ausführliche Leitlinien zur Zusammenarbeit mit Gebärdensprachdolmetscher*innen finden Sie in den Leitlinien für Tontechniker – Zusammenarbeit mit gemischten Konferenzdolmetscherteams (Gebärdensprache und Lautsprache) (PDF).
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