Wertschätzendes Miteinander
Inhalt: Orientierung im Umgang, Hinweise zum Miteinander, Handlungsempfehlungen für Sie als Lehrperson.
Auf den ersten Blick scheint eine Anleitung für das Miteinander mit Studierenden mit Beeinträchtigung, chronischer oder psychischer Erkrankung überholt – der Umgang sowie die Kommunikation selbstverständlich. Dennoch herrschen hin und wieder Unsicherheit oder Unwissenheit. Die folgenden Hinweise sollen Ihnen Orientierung bieten, Barrieren abbauen und ein unvoreingenommenes, aufmerksames sowie selbstverständliches Miteinander ermöglichen.
So individuell der*die Studierende, so individuell der Umgang. Keine der folgenden Empfehlungen sind umfassend oder lassen sich generalisieren. Sie dienen vielmehr der Orientierung.
Der Mensch steht im Mittelpunkt
Stellen Sie die Studierenden mit all ihren Facetten in den Vordergrund und nicht die Beeinträchtigung, chronische oder psychische Erkrankung.
Direkte und respektvolle Kommunikation
- Schauen und Sprechen Sie Studierende immer direkt an. Das ist insbesondere für Studierende mit einer Sinnesbeeinträchtigung wichtig, da diesen Mundbild und Mimik beim Verständnis helfen.
- Kommunizieren Sie lieber zu viel als zu wenig. Besonders für Studierende, die blind sind, ist es wichtig ausgiebig zu kommunizieren.
- Vermeiden Sie plumpe Neugier. Fragen Sie beispielsweise nicht, warum oder seit wann Ihr Gegenüber eine Beeinträchtigung/Erkrankung hat.
Klarheit und Orientierung geben
- Achten Sie auf eine verständliche und deutliche Aussprache. Versichern Sie sich bei Studierenden, ob diese Sie verstehen und bitten Sie um Rückmeldung für mögliche Anpassungen.
- Formulieren Sie Aufgaben(-stellungen) klar.
Speziell im Universitätskontext sind wissenschaftliche Sprache sowie deren Aneignung essenziell. Dennoch sollten Sie versuchen auf folgende Aspekte zu achten:
- Wiederholen Sie wichtige Aspekte und Fachbegriffe.
- Achten Sie gerade bei Organisatorischem auf eine klare und prägnante Sprache. Verschriftlichen Sie Ergebnisse und stellen diese zur Verfügung.
- Vermitteln Sie Informationen stets über mindestens zwei der Hauptsinne (Zwei-Sinne-Prinzip).
Nonverbale Kommunikation
- Vermeiden Sie Starren – auch Menschen, die blind sind, können Blicke spüren.
- Beim Ortswechsel können Studierenden, die blind sind oder eine Sehbeeinträchtigung haben, Arm oder Schulter zur Führung angeboten werden.
- Versuchen Sie mit Studierenden im Rollstuhl oder mit Kleinwuchs auf Augenhöhe sprechen – setzen Sie sich.
Achtsame Sprache
- Seien Sie sensibel, wenn Sie über Menschen und Studierende mit Beeinträchtigung, chronischer oder psychischer Erkrankung sprechen. Vermeiden Sie Begriffe wie „tragisch“, „schrecklich“ oder „leidet unter.“
- Versuchen Sie Aussagen wie beispielsweise „Lass uns spazieren gehen“ bei einer Person, die im Rollstuhl sitzt, zu vermeiden. Das muss zwar nicht zwingend stören, kann aber.
Sollten Sie deutsche Texte auf potenziell ableistische Formulierungen prüfen wollen, dann nutzen Sie gerne den ZAB Sprachkompass. Sobald das Tool diskriminierende oder abwertende Sprache gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen oder Erkrankungen erkennt, weist es Sie darauf hin. Anschließend schlägt es passende, wertschätzende und inklusive Alternativen vor.
Respekt vor Distanz, Hilfsmitteln und Assistenzen
Menschen mit Beeinträchtigung/Erkrankungen berichten immer wieder, dass sie ungefragt angefasst werden – sei es das Tätscheln der Schulter oder ein Streicheln über den Kopf. Auch kommt es vor, dass Hilfsmittel wie der Blindenstock verlegt, Rollstühle verschoben oder zweckentfremdet werden. Daher gilt:
- Berücksichtigen und Respektieren Sie den persönlichen Bereich Ihres Gegenübers.
- Achten Sie Hilfsmittel und Assistenzen und zweckentfremden diese nicht.
- Assistenzhunde sind bei der Arbeit.
- Fassen Sie diese nicht ungefragt an.
- Akzeptieren Sie, wenn Sie den Hund auf Nachfrage nicht streicheln dürfen.
- Mahnen Sie auch andere zur Rücksichtnahme.
Dolmetschende und Assistenzen richtig einbeziehen
Schauen und Sprechen Sie nicht (hauptsächlich) mit den Bezugspersonen oder Gebärdensprachdolmetschenden, sondern mit den Studierenden direkt. Dies stellt insbesondere für Gebärdesprachdolmetscher*innen keine Unhöflichkeit dar.
Hilfe anbieten – Nicht aufzwingen
Studierende mit Beeinträchtigung, chronischer oder psychischer Erkrankung sind nicht hilfsbedürftig, sondern selbstständig und unabhängig.
- Leisten Sie daher nicht ungefragt Hilfe.
- Akzeptieren Sie ein „Nein“ und werden nicht „übergriffig“.
Prüfen Sie die Situation. Bieten Sie erst bei tatsächlichem Bedarf Ihre Hilfe an und akzeptieren Sie eine mögliche Ablehnung.
Handlungsempfehlungen für Sie als Lehrperson
Studierende mit Beeinträchtigung, chronischer oder psychischer Erkrankung sind Expert*innen in eigener Sache. Hören Sie ihnen zu und setzen Sie sich wiederholt mit den eigenen Vorurteilen auseinander. Geben Sie sich Zeit zu lernen und seien Sie offen für Anregungen sowie Kritik.
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