2.3 Aufgabentypen digitaler Prüfungen
Inhalt: Prüfungstypen mit dazugehörigen Barrierefreiheitsaspekten.
Typen digitaler Prüfungen
Digitale Prüfungen umfassen ein breites Spektrum unterschiedlicher Prüfungstypen. Mit Blick auf die Barrierefreiheit lassen sich entsprechend nur schwer allgemeine Probleme oder Maßnahmen zu ihrer Behebung nennen.
Zur Veranschaulichung werden Ihnen nachfolgend einige Typen digitaler Prüfungen exemplarisch mit einigen zugehörigen Barrierefreiheitsaspekten aufgelistet. Dabei ist diese Liste nicht vollständig und die konkrete barrierefreie Umsetzung der jeweiligen Prüfung erfordert Anpassungen an die individuellen Bedarfe in Absprache mit der betroffenen Person.
Viele der Punkte sind technischer Natur und systemspezifisch (Betriebssystem, Prüfungssystem, …) und können von Lehrenden nicht behoben oder gewährleistet werden. Diese Liste dient daher primär der Sensibilisierung und als Anregung. Unter 3. Barrierefreie E-Prüfungen umsetzen finden Sie praktische Anleitungen und konkrete Checklisten um selbst tätig werden zu können!
Multiple-Choice-Tests (MC-Tests) über eine Lernplattform
Barrierefreiheitsaspekte:
- Kompatibilität mit Screenreadern sicherstellen.
- Tastaturnavigation ermöglichen.
- Klare Markierungen für gewählte Antworten.
- Anpassbare Schriftgröße und Kontrastoptionen.
Freitextantworten in Online-Formularen (z.B. Essayfragen auf Moodle)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Möglichkeit zur Spracherkennung (für Personen mit motorischen Einschränkungen).
- Zoom- und Farbkontrast-Anpassung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung.
- Autovervollständigungs- und Diktierfunktionen zulassen.
Hochladen einer Hausarbeit (z.B. als Word- oder PDF-Datei)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Barrierefreie Vorlagen bereitstellen (z. B. gut lesbare Schriftarten, strukturierte Dokumente).
- Zeitverlängerung für Studierende mit Beeinträchtigungen, chronischen oder psychischen Erkrankungen.
Erstellen und Hochladen eines Videos (z.B. für Präsentationen oder Projektarbeiten)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Untertitel oder Transkription als Alternative für gehörlose Studierende.
- Möglichkeit zur Audioaufnahme anstelle eines Videos (für Studierende mit visuellen Einschränkungen).
- Unterstützung für verschiedene Videoformate und einfache Upload-Optionen.
Online-Mathematikprüfungen (z.B. über Formeleditoren wie STACK oder Maple TA)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Alternativen für Formeleingaben (z. B. Möglichkeit zur Spracheingabe oder Latex-Editor).
- Unterstützung von Braille-Mathematikformaten.
- Flexible Zeitoptionen für Studierende mit motorischen Einschränkungen.
Open-Book-Prüfungen mit Rechercheaufgaben (z.B. Beantwortung einer Problemstellung mit Online-Ressourcen)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Klare Strukturierung der Aufgaben für neurodivergente Studierende und Studierende mit psychischen Erkrankungen.
- Keine Zeitbeschränkungen, die Personen mit Assistenzsoftware benachteiligen.
- Alternative Bereitstellung der Quellen (z. B. Screenreader-kompatible Formate).
Mündliche Prüfungen über Videokonferenz-Tools (z.B. Zoom, BBB oder Microsoft Teams)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Möglichkeit zur Nutzung von Gebärdensprachdolmetschenden oder Live-Untertiteln.
- Alternative Prüfungsformate für Studierende mit Sprechbeeinträchtigungen (z. B. schriftliche Antworten).
- Unterstützung für Spracherkennungssoftware.
Gruppenarbeiten und Peer-Reviews über Online-Plattformen
Barrierefreiheitsaspekte:
- Asynchrone Teilnahmeoptionen für Studierende mit unterschiedlichem Energielevel oder Belastbarkeit.
- Barrierefreie Kommunikationsmöglichkeiten (z. B. schriftliche statt gesprochene Diskussionen).
- Möglichkeit zur anonymen Bewertung, um soziale Barrieren zu reduzieren.
Präsentationen mit PowerPoint oder Prezi (digital eingereicht oder live gehalten)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Möglichkeit zur Einreichung eines Skripts anstelle einer Live-Präsentation.
- Bereitstellung einer schriftlichen Zusammenfassung für gehörlose Studierende.
Erstellung eines E-Portfolios (z.B. mit Mahara oder WordPress)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Barrierefreie Vorlagen für Studierende mit Sehbeeinträchtigungen.
- Option für alternative Darstellungsformen (z. B. Audio- statt Textbeiträge).
- Unterstützung für assistive Technologien bei der Eingabe und Navigation.
Erstellung einer Mindmap oder eines Diagramms (z.B. mit Miro oder Lucidchart)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Alternativen für Studierende mit motorischen Einschränkungen (z. B. textbasierte Strukturierung).
- Möglichkeit zur Nutzung von barrierefreien Diagramm-Tools.
- Klare Navigation für Screenreader-Benutzende.
Erstellung eines Podcasts oder einer Audio-Datei als Prüfungsleistung
Barrierefreiheitsaspekte:
- Transkription für Studierende mit Hörbeeinträchtigung oder solche, die gehörlos sind, erforderlich.
- Option zur textbasierten Einreichung für Studierende mit Sprachproblemen.
- Barrierefreie Aufnahme- und Bearbeitungstools anbieten.
Programmieraufgaben (z.B. Code-Einreichung in einem Online-Editor oder Jupyter Notebook)
Barrierefreiheitsaspekte:
- Möglichkeit zur Nutzung barrierefreier Entwicklungsumgebungen.
- Farbkontrast-Anpassungen für Menschen mit Sehschwächen (z. B. Farbblindheit).
- Keine Pflicht zur Drag-and-Drop-Interaktion (für Studierende mit motorischen Beeinträchtigungen).
Interaktive Prüfungen mit Simulationen oder virtuellen Laborexperimenten
Barrierefreiheitsaspekte:
- Bereitstellung einer nicht-interaktiven Alternative (z. B. schriftliche Beschreibung eines Experiments).
- Nutzung von barrierefreien Simulationsprogrammen (z. B. Screenreader-kompatible Benutzeroberflächen).
- Klare Bedienungshilfen für Studierende mit motorischen Einschränkungen.
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